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Studierendenvertretungen lehnen neues Studienkollegmodell ab Für Studienkollegs bedeutet Privat vor Staat eine weitereVerschlechterung

Die Studienkollegs werden in NRW abgeschafft. Diese dienten für Studiumsinteressierte aus vielen Ländern als Vorbereitung auf die Feststellungsprüfung, um den Hochschulzugang in Deutschland zu erhalten. Nun werden private Institutionen wie an der FH Aachen gegründet. Hier zeigt sich eine dramatische Verschlechterung für die StudienbewerberInnen.

An der FH Aachen gibt es seit kurzem ein Modell ähnlich des Studienkollegs, Freshman Program genannt. Wer sich dahinter ein frisches Programm erhofft, wird enttäuscht: Schon die Aufnahme wird durch einen Test im Heimatland bestimmt. Das Programm selber sowie die Unterkunft der Studiumsinteressierten werden für 1 Jahr in einer ehemaligen Polizeikaserne in Linnich sein, am Rande der Stadt. Der Unterricht ist überwiegend auf Englisch. Auch nach erfolgreicher Absolvierung und Bezahlung von 15.000 Euro Gebühren für ein Jahr, ist es den Studierenden nur möglich, am Standort Jülich der FH Aachen zu studieren. Andere Hochschulen oder Studiengänge bleiben den Absolventen verwehrt. Übrigens verbleiben 40% des eingenommenen Betrages an der FH Aachen.

Für Studierendenvertretungen und besonders für die ausländischen Studierendenvertretungen stellt dies einen erheblichen Rückschritt dar: „Dieses Modell widerstrebt dem Sinn einer propädeutischen Vorbereitung und der Integration in die Hochschulen und in die Gesellschaft“, so Andreas Weber vom Bundesverband ausländischer Studierender. Studiumsinteressierte aus dem Ausland haben schon eine Hochschulzugangsberechtigung erlangt, allerdings wird diese in Deutschland nicht von allen Ländern anerkannt. In einem weiteren Test erneut eine Hochschulzugangsberechtigung nachzuweisen, ist unsinnig.

Es stellt sich hier die Frage: Wer soll das denn bezahlen? Ausländische Studierende müssen jetzt schon einen Festbetrag von ca. 8.000 Euro aufbringen, um eine Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten. Dies gilt auch für das neue „Freshman Program“. Die zusätzlichen 15.000 Euro für das Programm können sich wirklich nur Menschen mit einem sehr guten finanziellen Hintergrund leisten. „Dabei wird von Seiten der Bildungsminister angeführt, dass die Hochschulen die besten Köpfe haben möchten, nicht die reichsten Köpfe,“ sagt Andreas Weber.

In Aachen werden die Menschen nur begrenzt am Leben in Deutschland teilnehmen können. Die alte Polizeikaserne liegt außerhalb der Stadt, und die Busverbindungen dorthin sind vor allem in den Abend- und Nachtstunden schlecht.

Die Studierendenvertretungen können den Schritt zu diesem privaten Modell nicht verstehen: „Wenn das Modell zeigt, was die Landesregierung in NRW will“, so Dirk Bruland vom Landes-ASten-Treffen NRW, „dann werden die NRW-Hochschulen noch unattraktiver für ausländische Studierende. Dies bedeutet einen großen Verlust für die Hochschulen und die geforderte Mobilität im Bologna-Prozess. Die Landesregierung selber sieht diese Modelle als Zusatz zu ihrem nur unzureichendem Konzept, und stiehlt sich somit wieder mal aus der Verantwortung.“