Pressemitteilung des Landes-ASten-Treffens NRW und des AStAs der Uni Köln anlässlich der Exzellenzverkündung vom 2.Oktober 2026.
Anlässlich der Exzellenzverkündung positioniert sich der AStA der Uni zu Köln für ein Ende von Drittmittel- und Exzellenz-Orientierung. Unabhängig vom Ergebnis der Verkündung ist stattdessen eine bedarfsdeckende Grundfinanzierung, Zivilklausel-Orientierung und dafür Demokratisierung der Hochschulen notwendig.
Politische Funktion
„Schon immer diente die Drittmittel- und Exzellenz-Orientierung dazu, die Ambitionen von Studierenden und Kolleg*innen, die Welt zu verändern, klein zu machen und sie den Interessen des hiesigen Kapitals zu unterwerfen. Als das Exzellenzprogramm der Bundesregierung 2005 startete, war es Teil der Programmatik der ‚Unternehmerischen Hochschule‘, die Schluss machen sollte mit den Errungenschaften von 68.“ ordnet Stefan Brackertz die politische Funktion der Exzellenzstrategie ein. Sarah Jovic ergänzt: „Der Trick: Wer immer weniger eigene Gelder selbst hat, sondern sich nach vermeintlich objektiven Kriterien auf sog. Drittmittel bewerben muss, diskutiert nicht mehr, was falsch, was richtig ist, was erfreulich ist und was die Welt braucht, sondern wie man Gutachter*innen am besten um die Finger wickeln kann. So wird die Hochschuldemokratie systematisch ausgehöhlt. Diese Entfremdung ist die beste Vorbereitung auf Instrumentalisierung – und heutzutage versuchen das Rüstungsindustrie und Militärs zunehmend zu nutzen. Dagegen gibt es mit einer wachsenden Zivilklausel-Bewegung zunehmend eine menschenfreundliche Gegenorientierung.“
Senta Pineau, Langzeitstudentin aus Überzeugung, ist optimistisch: „Die Studiengebühren, die ebenso Teil der Programmatik der ‚Unternehmerischen Hochschule‘ waren, haben wir wieder abgeschafft; die Gelder, die dadurch vorübergehend eingenommen wurden, zahlt jetzt das Land. – Warum sollte es uns nicht auch gelingen, die Exzellenz zugunsten einer vernünftigen Grundfinanzierung abzuschaffen?“
Bedarfsdeckende Grundfinanzierung statt Kürzungen durch Exzellenz!
Eine auskömmliche Grundfinanzierung statt Drittmitteln und Exzellenz ist in der Tat nötig, denn Letztere führt zu immer neuen Kürzungsrunden. Rasmus Metzger erklärt, warum ein Programm, das den Hochschulen Geld gibt, dennoch systematisch zu Kürzungen führt: „Um in diesem Wettbewerb eine Chance zu haben, wird immer mehr ‚Eigeninitiative‘ von den Hochschulen erwartet. Das führt dazu, dass jeder Euro der Exzellenz die Uni fast 80 Cent aus ihren Grundmitteln kostet. Das ist Geld, das woanders fehlt, und insbesondere nicht mehr durch die demokratischen Gremien geht. Außerdem sind die Exzellenz-Gelder zeitlich begrenzt, d.h. wenn man die daraus aufgebauten Projekte nicht direkt wieder einstampfen will, oder kann, entstehen große Folgekosten. An der Uni Köln waren die durch die letzte Runde der Exzellenz bedingten internen Kürzungen ähnlich groß wie die vom Land.“
Bozhidar Gushterov gibt ein Beispiel, was das konkret heißt: „Wenn man sich ansieht, wo dann gekürzt wurde, wird das ganze erschreckende Ausmaß der Unterwerfung deutlich: Trotz aktuell starker Drittmittel wurden z.B. in Köln die Disability Studies komplett abgeschafft – auch wenn das natürlich niemand so sagt, hat man vorweg genommen, dass es politisch nach rechts geht und man dann dafür eh keine Drittmittel mehr bekommt. Wir setzen darauf, dass die Uni stattdessen Verantwortung dafür übernimmt, dass es erst gar nicht nach rechts geht!“ „Und wenn immer mehr Hochschulen endlich aufhören, Exzellenzquatsch und Drittmittelkarotten hinterher zu laufen und sich nicht mehr gegeneinander ausspielen lassen, haben wir auch viel bessere Voraussetzungen dafür, solidarisch gegen den Wahnsinn von Merz & Co. nicht nur eine Rücknahme der Kürzungen des letzten Jahres, sondern insgesamt ein Ende der Sparpolitik zu erkämpfen.“ sagt Thilo Schmidt.
Allgemeinwohlorintierung statt Unterwerfung!
Anita Goudarzi Malayeri kritisiert: „Die Ideologie, es wäre produktiv, Menschen gegen sinnvolle Kooperationsambitionen in Wettbewerb zu zwingen, sie mit Zuckerbrot und Peitsche zu drangsalieren, ist widerlegt: Es ist aufreibend bis zum Burnout, hinter den glänzenden Fassaden entsteht zwar hier und da auch mal was Bemerkenswertes, z.B. ist das Global South Studies Center an unserer Uni aus einer der früheren Runden der Exzellenz hervor gegangen, aber im Wesentlichen wird alles auf Verschleiß gefahren und bricht auf kurz oder lang zusammen – wie bei der Bahn. Das wissen inzwischen alle.“
Philipp Bönninghaus ist überzeugt, dass es auf Mut zu Opposition ankommt: „Diese ganze Ausrichtung ist ideologisch erschöpft. Wenn in Unigremien heutzutage mal wieder Marketing für Drittmittelorientierung und Exzellenz gemacht wird, geht nur noch ein müdes Raunen durch den Raum. Und dennoch sehen viele sich gezwungen, weiter mitzumachen, ‚whatever it takes‘. Allerdings: Es fehlt nicht mehr viel daran, diesen Spuk zu beenden; wenn sich Menschen ärgern, sich verständigen, was Spaß macht an der Uni, sich aufrichten und vornehmen, die Welt gemeinsam in die Hände zu nehmen, ist der Anfang gemacht. Genau das treiben wir mit der Zivilklausel-Orientierung gegen willfährige Geopolitik und die Zeitenwende voran: Dass die Hochschulen geschichtsbewusst, gesellschaftlich Verantwortung übernehmen für eine demokratische, nachhaltige und vor allem friedliche Entwicklung der Welt!“
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Stefan Brackertz 0160-92123064
Frederick Heinz 0162-1931839
Kontakt Landes-ASten-Treffen NRW


